Der Rückgang ist deutlich und er passt in ein europäisches Bild: In Deutschland, Schweden, Dänemark und Großbritannien sind die angezeigten Diebstähle 2025 ebenfalls gesunken. Nur werden dabei zwei andere Zahlen leicht übersehen, und beide sind für dich als Radbesitzer wichtiger als die Gesamtsumme.
Ein Drittel der Betroffenen zeigt den Diebstahl gar nicht an
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat im September 2026 eine für Österreich repräsentative Befragung von 1.520 Personen veröffentlicht. Das Ergebnis stellt die amtliche Statistik in einen anderen Rahmen.
Fast jeder vierte Haushalt war in den vergangenen fünf Jahren von einem Fahrrad-, E-Bike- oder E-Scooter-Diebstahl betroffen. Und ein Drittel der Betroffenen erstattete keine Anzeige. Die 16.932 Fälle der Kriminalstatistik sind also nicht die Zahl der Diebstähle, sondern die Zahl der gemeldeten Diebstähle.
Der Grund dafĂĽr ist ernĂĽchternd:
"Mit ein Grund für die niedrige Anzeigenquote ist die geringe Erwartung, das Fahrzeug jemals zurückzubekommen. Am wenigsten Hoffnung haben Betroffene nach Fahrraddiebstählen, gefolgt von E-Bike- und E-Scooter-Diebstählen."
Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Fachbereichs Eigentumsschutz, KFV
Dieselbe Lücke ist auch anderswo gemessen worden. Das niederländische Statistikamt CBS fand 2025, dass sich nur rund 41 Prozent der Betroffenen überhaupt an die Polizei wandten. In Finnland sieht man den Unterschied innerhalb der amtlichen Daten: 17.100 Diebstähle bei der Polizei, 13.800 bei den Versicherern.
Wo in Ă–sterreich gestohlen wird
Zwei Drittel aller Fälle entfallen auf die Landeshauptstädte. Wien liegt mit 5.913 Anzeigen absolut voran, verzeichnete aber mit minus 18,5 Prozent zugleich den stärksten Rückgang des Landes.
Pro Kopf sieht das Bild anders aus. Je 10.000 Einwohner wurden in Salzburg 66 Diebstähle angezeigt, in Innsbruck 55, in Graz 49, in Klagenfurt 45, in Linz 44 und in Wien 29. Nicht überall ist die Entwicklung positiv: Während Burgenland um 29,3 Prozent und Kärnten um 27,3 Prozent zurückgingen, stieg die Steiermark um 6,3 Prozent auf 2.113 Fälle und Salzburg um 4,0 Prozent auf 1.598.
Die KFV-Befragung nennt die Tatorte in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit: Bahnhöfe, Haltestellen und Park-and-ride-Anlagen mit 17 Prozent, öffentliche Straßen und Gehsteige mit 15 Prozent, Vorplätze und Höfe von Wohnhäusern mit 15 Prozent, gemeinschaftliche Fahrrad- und Abstellräume mit 14 Prozent, Geschäfte und Lokale mit 11 Prozent.
Bemerkenswert daran: Wohnhaus und Fahrradraum zusammen ergeben 29 Prozent, also mehr als jeder andere Ort. Dazu passt, dass die Kellereinbrüche 2025 um 7,8 Prozent auf 10.139 gestiegen sind und das Innenministerium Fahrräder als meistgestohlenes Beutegut daraus nennt. Mehr dazu in wo und wann Fahrräder gestohlen werden.
Das gestohlene Rad wird teurer
Die zweite Zahl, die der RĂĽckgang verdeckt, ist der Wert.
In Deutschland erreichte der Schadendurchschnitt der Versicherer 2025 mit 1.270 Euro den höchsten je gemessenen Stand, während die Zahl der versicherten Diebstähle gleichzeitig sank. In Finnland zahlten die Versicherer rund 12 Millionen Euro für gestohlene Räder aus, obwohl die Diebstähle seit 2020 rückläufig sind. In Schweden entfielen 12.931 angezeigte Diebstähle auf E-Bikes, knapp 30 Prozent aller Fälle.
Für Österreich gibt es keine vergleichbare Durchschnittszahl. Die Richtung ist aber überall dieselbe: Täter wählen nach dem Wiederverkaufswert. Kaltenegger ergänzt dazu einen Punkt, der gegen die Intuition läuft: "Täter wählen häufig nicht die wertvollsten, sondern die am schlechtesten gesicherten Objekte aus." Teuer plus schlecht gesichert ist die Kombination, die bestraft wird. Warum E-Bikes dabei besonders gefährdet sind, steht in E-Bike vor Diebstahl schützen.
Aufgeklärt wird weniger als jeder zehnte Fall
Von den 16.932 angezeigten Diebstählen wurden laut der VCÖ-Auswertung 1.570 aufgeklärt, also 9,3 Prozent.
Dieser Wert ist europaweit bemerkenswert konstant. Deutschland klärte 2025 9,8 Prozent der Fälle auf. Das italienische Statistikamt Istat stellte fest, dass weniger als ein gestohlenes Rad von zehn je wieder auftaucht, nämlich 9,5 Prozent, gegenüber 61 Prozent bei Autos.
Der Unterschied zum Auto ist kein Unterschied im Interesse, sondern im Register. Ein Auto ist einem Halter zugeordnet, deshalb ist die Anzeige nötig und nützlich. Ein nicht registriertes Rad, das sichergestellt wird, lässt sich niemandem zuordnen.
Die begutachtete Studie Patterns in Bike Theft and Recovery wertete 1.823 Diebstähle aus: Registrierte Besitzer bekamen ihr Rad in 38 Prozent der Fälle über die Polizei zurück, bei nicht registrierten Rädern waren es 32 Prozent, während nicht registrierte Besitzer stärker auf Online-Kanäle angewiesen waren (24 gegenüber 16 Prozent). Eine Registrierung zaubert kein Rad herbei. Sie gibt der Polizei etwas, womit sie abgleichen kann.
Was du aus diesen Zahlen mitnehmen solltest
Die KFV-Befragung enthält die vielleicht unbequemste Zahl des ganzen Jahrgangs. Selbst unter E-Bike-Besitzern haben nur 47 Prozent die Rechnung aufgehoben, 37 Prozent die Rahmennummer notiert, 29 Prozent eine Diebstahlversicherung und 23 Prozent das Rad registriert.
Notiere die Rahmennummer, bevor du sie brauchst. Wo sie steht, zeigt Rahmennummer finden.
Heb die Rechnung auf. Ohne Kaufbeleg wird die Versicherungsabwicklung mĂĽhsam, und der Nachweis des Eigentums wird zur Behauptung.
Zeig den Diebstahl an, auch ohne Hoffnung. Nicht angezeigte Taten sind der Grund, warum Fahrraddiebstahl in den Statistiken klein aussieht, nach denen Ressourcen verteilt werden.
Sichere dort, wo es wirklich passiert. Fast ein Drittel der Diebstähle findet rund um das eigene Wohnhaus statt, im Hof oder im gemeinschaftlichen Fahrradraum. Das Schloss gehört also auch in den Keller, nicht nur an die Straße.