Am 1. Oktober beginnt in Ăsterreich das Wintersemester. In Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg und Linz fĂŒllen sich damit innerhalb weniger Tage die RadstĂ€nder vor HörsĂ€len, Bibliotheken und Mensen. Bei 393.234 Studierenden, die Statistik Austria fĂŒr das Wintersemester 2022/23 ausweist, sind das viele RĂ€der auf wenig FlĂ€che.
FĂŒr Fahrraddiebe ist das die attraktivste Konstellation des Jahres, und zwar aus GrĂŒnden, die nichts mit den Studierenden zu tun haben.
Warum ausgerechnet das UniversitÀtsviertel
Ein Diebstahl braucht drei Dinge: viele RĂ€der, wenig Aufmerksamkeit und einen Grund, warum niemand nachfragt. Ein Campus liefert alle drei.
Dichte. Hundert RĂ€der an einem StĂ€nder heiĂen hundert Schlösser zur Auswahl. Es wird nicht dein Rad gesucht, sondern das schwĂ€chste Schloss in der Reihe.
Berechenbare Standzeiten. Ein Rad vor dem Hörsaal steht dort mindestens neunzig Minuten. Das ist ein Zeitfenster, das man einplanen kann.
AnonymitÀt. Auf einem Campus kennt niemand die RÀder der anderen. Jemand, der an einem Schloss hantiert, sieht aus wie jemand, der sein eigenes Rad aufsperrt.
GĂŒnstige RĂ€der, gĂŒnstige Schlösser. Das Studienbudget geht ins Rad, selten ins Schloss. Ein 40-Euro-Kabelschloss ist in Sekunden durch.
Dazu kommt der saisonale Effekt: Im Oktober sind alle neu. Wer gerade erst zugezogen ist, kennt weder die Gegend noch die Stellen, an denen schon einmal etwas passiert ist.
Was die Zahlen sagen
In Ăsterreich wurden 2024 19.455 FahrraddiebstĂ€hle angezeigt, ein Anstieg gegenĂŒber 18.566 im Jahr davor. AufgeklĂ€rt wurden davon 8,9 Prozent.
Die interessantere Zahl fĂŒr Studierende ist aber eine andere: Nicht Wien fĂŒhrt die Statistik pro Kopf an, sondern die Stadt Salzburg mit rund 70 DiebstĂ€hlen je 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Wien liegt in absoluten Zahlen mit 7.009 vorn, pro Kopf aber nur im hinteren Drittel.
Was Salzburg, Innsbruck und Graz gemeinsam haben, ist eine kompakte Innenstadt mit hohem Radanteil und einer UniversitÀt mittendrin. Genau dieses Muster, nicht die Einwohnerzahl, treibt die Pro-Kopf-Zahlen.
Was tatsÀchlich hilft
Ein Schloss, das zum Rad passt. Die Faustregel lautet, zehn bis zwanzig Prozent des Radwerts ins Schloss zu investieren. Ein BĂŒgelschloss oder ein hochwertiges Faltschloss, kein Kabelschloss. Ein Kabelschloss hĂ€lt Gelegenheitsdiebe auf, sonst nichts.
Durch den Rahmen anschlieĂen, an etwas Festes. Ein Rad, das nur durchs Vorderrad angeschlossen ist, verliert das Vorderrad und den Rest gleich mit. Der StĂ€nder selbst muss fest im Boden verankert sein.
Nicht immer denselben Platz. Wer jeden Dienstag um acht am selben StÀnder steht, ist planbar.
Nichts Abnehmbares dranlassen. Sattel mit Schnellspanner, Licht, Computer, Tasche. Das verschwindet auch einzeln.
Innerhalb des GebĂ€udes ist nicht automatisch sicher. Ein Rad im Stiegenhaus oder in der Tiefgarage der WG gehört genauso angeschlossen wie eines auf der StraĂe.
Das gilt besonders im Studierendenheim. Der gemeinsame Fahrradraum dort hat mehr Zugangsberechtigte als jedes Wohnhaus: alle Bewohnerinnen und Bewohner, deren Besuch, die Verwaltung, die Reinigung. Ein Rad, das dort unversperrt an der Wand lehnt, ist praktisch ungesichert, und ein Diebstahl fĂ€llt oft erst nach Tagen auf, weil niemand weiĂ, wem welches Rad gehört. Dazu kommt der Versicherungsteil: Aus einem allgemein zugĂ€nglichen Raum zahlt die Haushaltsversicherung in der Regel nur dann, wenn das Rad zusĂ€tzlich abgeschlossen war.
Der Teil, der nach dem Diebstahl zÀhlt
Alles bisher Genannte senkt die Wahrscheinlichkeit. Nichts davon hilft, wenn es trotzdem passiert. DafĂŒr brauchst du die Rahmennummer, und zwar aufgeschrieben, bevor das Rad weg ist.
Ohne sie kannst du eine Anzeige machen, aber die Polizei hat nichts, womit sie ein aufgefundenes Rad dir zuordnen könnte. Mit ihr ist dein Rad unter tausenden unterscheidbar.
Die Registrierung im Fahrradregister ist kostenlos und dauert fĂŒnf Minuten. Sie hĂ€lt Rahmennummer, Fotos und Kaufbeleg an einer Stelle fest: App Store · Google Play
Ein zweiter Punkt speziell fĂŒr den Semesterbeginn: Viele Studierende kaufen ihr Rad gebraucht, oft in den ersten Wochen, oft ĂŒber eine Kleinanzeige auf willhaben. PrĂŒf vor dem Kauf mit der Rahmennummer, ob das Rad als gestohlen gemeldet ist. Ein Rad, das im Oktober im UniversitĂ€tsviertel billig angeboten wird, kommt statistisch nicht immer aus einem Keller in Niederösterreich.
Die erste Woche
Rahmennummer suchen und registrieren, am Tag, an dem das Rad in die Stadt kommt.
Fotos machen, von der Seite, von vorne, und eines von der Rahmennummer.
Schloss prĂŒfen. Wenn es in eine Jackentasche passt und biegsam ist, ist es zu wenig.
Beim Gebrauchtkauf vorher die Nummer abfragen.
Kaufbeleg ablegen, digital, nicht im Schuhkarton.
Zwanzig Minuten in der ersten Semesterwoche, gegen ein Rad, das du zwei Jahre lang tÀglich brauchst.