Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat im Juni 2026 1.520 Personen zwischen 14 und 79 Jahren befragt, repräsentativ für Österreich. Die Ergebnisse zu E-Bikes sind der nüchternste Befund des Jahres, und zwar deshalb, weil E-Bike-Besitzerinnen und -Besitzer die am besten vorbereitete Gruppe überhaupt sind:
"37 Prozent haben die Rahmennummer notiert, 29 Prozent verfügen über eine Diebstahlversicherung, 27 Prozent entfernen nach dem Abstellen den Akku und 23 Prozent haben ihr E-Bike registrieren lassen."
Dieselbe Erhebung hält fest: "Selbst bei E-Bikes, wo die Betroffenen vergleichsweise gut vorbereitet sind, bewahren nur 47 Prozent den Kaufbeleg auf." Und ein Drittel der Betroffenen hat den Diebstahl gar nicht angezeigt.
Das sind die Sorgfältigen. Bei gewöhnlichen Fahrrädern sind die Zahlen niedriger.
In Österreich ist der Fahrradpass der Eigentumsnachweis
Hier ist die österreichische Rechtslage besser als ihr Ruf, und besser als die deutsche. Das Bundeskriminalamt schreibt zum Fahrradpass einen Satz, auf den du dich stützen kannst:
In Deutschland gilt ausdrücklich das Gegenteil: Dort sagt das Merkblatt der Polizeilichen Kriminalprävention, der Fahrradpass sei als Eigentumsnachweis nicht ausreichend, dafür brauche man den Kaufbeleg. Wenn du also einen deutschen Ratgeber liest und dich wunderst, warum er so streng auf die Rechnung pocht: Das ist nicht übertriebene Vorsicht, das ist ein anderes Land.
Für dich heißt das, dass ein ausgefüllter Pass in Österreich tatsächlich etwas wert ist. Es heißt nicht, dass du den Kaufbeleg wegwerfen sollst. Die Versicherung will ihn ohnehin sehen, und laut KFV bewahrt ihn nur knapp die Hälfte der E-Bike-Besitzer überhaupt auf.
Die Nummer ist der Punkt, an dem die Fahndung beginnt
Das Bundeskriminalamt sagt, wo die Nummer sitzt und wozu sie dient:
"Fahrräder haben eine Rahmen- bzw. Seriennummer. Diese findet man meistens am Rahmen, beispielsweise an der Unterseite des Tretlagers angebracht. Notieren Sie diese Nummer, im Diebstahlsfall kann damit eine Fahndung gestartet werden."
Bundeskriminalamt
"Notieren Sie diese Nummer" ist der ganze Auftrag, und bei E-Bikes erledigen ihn laut KFV nur 37 Prozent. Wo genau die Nummer am Rahmen steht und was du tust, wenn sie unleserlich ist, steht in Rahmennummer finden. Warum eine Anzeige ohne die Nummer kaum verwertbar ist, haben wir in warum die Polizei deine Rahmennummer braucht beschrieben.
Was im offiziellen Fahrradpass abgefragt wird
Der Fahrradpass des Bundeskriminalamts ist die beste verfügbare Vorlage, weil ihn die Behörde für die eigene Arbeit entworfen hat. Er fragt ab:
Rahmen-, Codierungs- oder Registrierungsnummer
Akkunummer bei E-Bike und E-Scooter
Kaufpreis, Kaufdatum und Händler
Besondere Kennzeichen, Aufkleber, Beschädigungen
Dazu eine Anweisung, die im Formular selbst steht: "Speichern Sie ein Foto Ihres Rades auf PC, Handy oder in einer Cloud."
Zwei Felder davon werden fast immer übersehen. Die Akkunummer, weil der Akku als Zubehör gilt und nicht als Teil des Rades, dabei ist er beim E-Bike oft die zweite belastbare Nummer am Fahrzeug. Und die besonderen Kennzeichen, weil sie banal wirken. Dabei sind genau sie der Teil, der einen Umbau überlebt: Ein Dieb tauscht den Sattel und lackiert den Rahmen über, aber der Riss im linken Bremsgriff und der verblichene Aufkleber am Unterrohr bleiben.
Der Satz zum Foto ist der zweite, den fast alle überlesen. "Auf PC, Handy oder in einer Cloud" heißt im Klartext: nicht im Ordner, der im selben Keller steht wie das Rad. Ein Nachweis, der mit dem Rad verschwindet, ist kein Nachweis.
Was du zur Anzeige mitnimmst
Das Bundeskriminalamt beschreibt den Gang zur Polizei so:
"Bei Anzeigenerstattung sollten möglichst viele Informationen und Unterlagen mitgenommen werden, beispielsweise Rahmen- bzw. Seriennummer (Fahrradpass), Kaufrechnung, eventuell vorhandene Fotos"
Bundeskriminalamt
"Eventuell vorhandene Fotos" ist höflich formuliert. In der Praxis entscheidet dieses Wörtchen darüber, ob aus einer Anzeige eine Fahndung wird oder ein Aktenvermerk. Fotos, die erst nach dem Diebstahl entstehen sollen, entstehen nie.
Ein Drittel geht gar nicht hin
Der schwierigste Teil der KFV-Zahlen ist nicht die Rahmennummer. Fast jeder vierte Haushalt war in den vergangenen fünf Jahren von einem Fahrrad-, E-Bike- oder E-Scooter-Diebstahl betroffen, und ein Drittel der Betroffenen hat den Diebstahl nicht angezeigt.
Das ist nachvollziehbar. Wer keine Rahmennummer hat, keine Fotos und keine Rechnung, hat auch wenig, womit er am Schalter anfangen könnte, und das Gefühl, dass das alles ohnehin nichts bringt, ist dann berechtigt. Nur folgt daraus der Kreis, der das Problem am Leben hält: Ein Diebstahl, der nie angezeigt wird, kann auch dann niemandem zugeordnet werden, wenn das Rad später irgendwo auftaucht. Es bleibt ein herrenloses Fahrrad in einem Depot.
Die Reihenfolge ist also umgekehrt, als sie sich anfühlt. Du zeigst nicht an, weil du hoffst, dass das Rad zurückkommt. Du hältst die Daten fest, damit die Anzeige überhaupt etwas enthält, das später zu einem Treffer führen kann.
Mach es jetzt, solange das Rad vor dir steht
Der Oktober ist der richtige Zeitpunkt, weil das Rad gleich für Monate in den Keller wandert. Im Jänner weißt du nicht mehr, ob der Rahmen anthrazit oder dunkelblau war.
Rahmennummer fotografieren statt abschreiben. Ein Foto verliert kein Zeichen, und 0 gegen O ist an einem eingestanzten Rahmen ein echtes Problem.
Das ganze Rad von beiden Seiten fotografieren, dazu Beschädigungen und Aufkleber.
Kaufrechnung heraussuchen und zu den Fotos legen. Bei einem Privatkauf tun es der Nachrichtenverlauf und die Daten der Verkäuferin.
Beim E-Bike die Akkunummer notieren.
Alles dort ablegen, wo es nicht mit dem Rad verschwinden kann, also nicht im Keller und nicht nur am Handy.
Danach ist es erledigt. Der Unterschied zwischen einer Anzeige, die zu etwas führt, und einer, die nur zu den Akten geht, sind fünf Minuten im Oktober.