Nach Monaten mit Streusalz, Nässe und kurzen Tagen läutet der Frühling den Start in die Radsaison ein. Bevor du dich zur ersten längeren Tour aufmachst, verhindert eine Stunde Frühjahrsservice die meisten Pannen, die sich am ersten warmen Wochenende in der Fahrradwerkstatt stapeln: platte Reifen, springende Gänge, abgefahrene Bremsbeläge. Hier steht, was du prüfen solltest und woran du merkst, dass es gut genug ist.
Reinigen und prüfen
Fang mit einer gründlichen Wäsche an. Der Winterschmutz auf den Straßen ist eine Mischung aus Salz, Dreck und Bremsstaub. Bleibt er am Rahmen, beschleunigt er die Korrosion an Stahlteilen und Aluminium-Ausfallenden. Nimm milde Seife, warmes Wasser und eine weiche Bürste. Arbeite mit niedrigem Wasserdruck und breitem Strahl. Hochdruckreiniger drücken Wasser an den Dichtungen von Naben, Tretlager und Steuersatz vorbei, und sobald es einmal in den Lagern sitzt, beginnt der Rost Monate, bevor du das Symptom bemerkst.
Ist das Rad sauber, schau dir den Rahmen genau an: Risse (vor allem an den Schweißnähten und am Steuerrohr), Rost an den Schrauben und trockene Dichtungen rund ums Tretlager. Das jetzt zu entdecken ist günstiger, als wenn während der Fahrt etwas versagt.
Antrieb und Schaltung
Die Kette ist das günstigste Teil des Antriebs und das am stärksten verschlissene. Shimano gibt an, dass 11- und 12-fach-Ketten ausgetauscht werden sollten, sobald sie sich um 0,5 % längen, also grob 75 mm auf einem Abschnitt von zwölf Gliedern. Eine Kettenlehre kostet weniger als ein Kaffee und zeigt es dir in Sekunden. Fährst du über 0,75 % Längung hinaus, verschleißen Kassette und Kettenblätter mit, und deren Austausch kostet das Fünf- bis Zehnfache der Kette.
Reinige die Kette mit einem Entfetter, trockne sie ab und schmiere sie neu mit einem guten Fahrradöl. Schalte im Stand durch alle Gänge, während du in die Pedale trittst. Zögert oder springt die Schaltung, hat sich der Zug über den Winter meist gelängt. Dreh am Zugeinsteller oder lass die Schaltung in der Werkstatt neu justieren.
Reifen und Laufräder
Kälte macht Gummi spröde. Sieh dir jeden Reifen auf Risse in der Flanke, eingefahrene Glassplitter und hartes, trockenes Gummi an. Schimmert das Gewebe durch das Profil oder gibt die Flanke ungleichmäßig nach, gehört der Reifen ersetzt.
Pump auf den Druck auf, der auf der Reifenflanke aufgedruckt ist: typisch 80 bis 120 PSI bei Rennradreifen, 40 bis 65 PSI bei Trekking- und Pendlerreifen und 25 bis 50 PSI bei Mountainbikes. Diese Spanne folgt dem Standard der europäischen Normungsorganisation ETRTO, den die herstellenden Firmen auf die Flanke prägen. Dreh jedes Laufrad im Rahmen und beobachte die Felge gegenüber dem Bremsbelag oder der Gabel. Eiert sie mehr als zwei bis drei Millimeter seitlich, muss eine Speiche nachgespannt werden. Ein lockeres Laufrad zu ignorieren kostet am Ende mehr, als es zu richten.
Bremsen und Züge
Zieh jeden Bremshebel. Es sollte satter Widerstand da sein und der Hebel mindestens 25 mm vor dem Lenker stehen bleiben. Kommt er näher heran, ist das System zu locker, um kräftig zu bremsen. Prüf die Beläge. Die meisten Felgenbremsbeläge haben Verschleißrillen, sind die weg, sind die Beläge fällig. Ersatzbeläge kosten wenige Euro und machen einen messbaren Unterschied im Bremsweg.
Bei mechanischen Bremsen schau dir die Züge auf Aufspleißungen am Hebel und am Bremskörper an. Ein Tropfen Schmiermittel löst einen hakeligen Zug, fühlt sich die Bewegung danach immer noch rau an, tausch den Zug, das ist eine Sache von zehn Minuten. Bei hydraulischen Bremsen kontrolliere, dass die Hebel nicht bis zum Lenker durchziehen und am Bremskörper keine Flüssigkeit austritt. Fühlen sie sich schwammig an, muss die Bremse entlüftet werden.
Rahmen und Lager
Wackle an den zentralen Teilen, um lose Lager zu finden. Halt die Vorderradbremse fest und wipp das Rad vor und zurück. Ein Klacken im Steuersatz heißt, dass er nachgestellt werden muss. Fass die Kurbelarme und zieh sie zur Seite. Spiel bedeutet, dass die Tretlagerlager verschlissen oder locker sind.
Zieh die Schrauben an Vorbau, Sattelstützenklemme und Radachsen auf die Drehmomentwerte an, die auf den Bauteilen aufgedruckt sind, meist 4 bis 6 Nm für Vorbauschrauben und 5 bis 7 Nm für Sattelstützenklemmen. Ein kleiner Drehmomentschlüssel ist der Unterschied zwischen "fest genug" und "Carbonteil gerissen".
Licht, Reflektoren und Sicherheit
Frühlingsmorgen in Deutschland sind oft noch dunkel. Schalt dein Vorder- und Rücklicht ein, um zu prüfen, ob sie funktionieren, wechsle oder lade die Batterien und reinige die Gläser. Nach § 67 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) muss jedes Fahrrad einen weißen Scheinwerfer nach vorn und eine rote Schlussleuchte nach hinten haben, dazu einen weißen Reflektor vorn, einen roten Reflektor hinten sowie Pedal- und Speichenrückstrahler. Der ADFC fasst zusammen, welche Beleuchtung erlaubt ist, Akkuleuchten eingeschlossen. Ein Helm ist in Deutschland nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll.
Hat dein Helm einen harten Aufprall abbekommen oder ist er älter als fünf Jahre, ersetze ihn. Der EPS-Schaum verliert nach einem Aufprall an Aufprallschutz und altert auch ohne einen.
Wann du in die Werkstatt solltest
Inspektionstermine gibt es aus gutem Grund. Bring das Rad zu einer Mechanikerin oder einem Mechaniker, wenn die Laufräder deutlich unrund laufen, sich die Schaltung trotz allem Justieren nicht sauber einstellen lässt, die Bremsen auch nach neuen Belägen schwach bleiben oder du Knarzen hörst, das du nicht orten kannst. Buch früh im Frühjahr, denn bis zum ersten sonnigen Wochenende wachsen die Wartelisten in vielen Werkstätten auf zwei Wochen.
Die Registrierung nicht vergessen
Ein Frühjahrsservice ist auch ein guter Moment, um zu prüfen, ob die Rahmennummer deines Rads in einem Register erfasst und aktuell ist. Fahrraddiebstahl ist in Deutschland kein Randthema: Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnet rund 245.000 angezeigte Fahrraddiebstähle pro Jahr, und die Aufklärungsquote liegt unter 10 %. Gestohlen wird vor allem in den wärmeren Monaten. Ein registriertes Rad hat deutlich bessere Chancen, zu seinen Besitzenden zurückzufinden, weil sich das Eigentum eindeutig nachweisen lässt. Wenn du über den Winter Teile getauscht, neu lackiert oder ein neues Rad gekauft hast, bring den Eintrag im Fahrradregister auf den neuesten Stand, damit Fotos und Angaben zum aktuellen Zustand des Rads passen.
Ein sauberes, gut gewartetes und registriertes Rad ist nicht nur bereit für die Straße, es ist auch geschützt und nachverfolgbar, wenn es darauf ankommt.
Willst du dein Rad für die neue Saison absichern? Lade das Fahrradregister herunter, registriere dein Rad kostenlos und schütze es diesen Frühling.