Die Zahlen fĂŒr 2025 erzĂ€hlen zwei Geschichten, die sich zu widersprechen scheinen. Die Zahl der angezeigten FahrraddiebstĂ€hle ist deutlich gesunken. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Versicherungsleistung fĂŒr ein gestohlenes Rad auf den höchsten Stand gestiegen, der je gemessen wurde.
Es werden weniger RĂ€der gestohlen, und die gestohlenen RĂ€der sind erheblich teurer.
Laut Polizeilicher Kriminalstatistik des BKA wurden 2025 bundesweit 214.264 FahrraddiebstĂ€hle angezeigt, ein RĂŒckgang um 12,9 Prozent gegenĂŒber den 245.868 FĂ€llen des Vorjahres. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 277.874, Mitte der neunziger Jahre lag der Wert bei rund 530.000.
Der RĂŒckgang ist echt, aber er misst nur Anzeigen
Jede dieser Zahlen zĂ€hlt Anzeigen, nicht DiebstĂ€hle. Ein groĂer Teil der Taten wird nie gemeldet.
Wie groĂ dieser Teil ist, hat in diesem Jahr vor allem das Ausland beziffert. Das niederlĂ€ndische Statistikamt CBS stellte in seiner Sicherheitsbefragung 2025 fest, dass sich nur rund 41 Prozent der Betroffenen ĂŒberhaupt an die Polizei wandten. Das österreichische Kuratorium fĂŒr Verkehrssicherheit kam im September 2026 zu dem Ergebnis, dass ein Drittel der GeschĂ€digten gar keine Anzeige erstattete. In Finnland lĂ€sst sich die LĂŒcke innerhalb der amtlichen Zahlen sehen: 17.100 DiebstĂ€hle bei der Polizei, 13.800 bei den Versicherern.
Die BegrĂŒndung, die Betroffene selbst angeben, ist ernĂŒchternd und selbsterfĂŒllend. Angezeigt wird nicht, weil das Rad ohnehin nicht zurĂŒckkommt, und das Rad kommt unter anderem deshalb nicht zurĂŒck, weil so wenig angezeigt wird.
"Der leichte RĂŒckgang darf nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass Fahrraddiebstahl ein MassenphĂ€nomen bleibt."
"Fahrraddiebstahl wird oft als Bagatelldelikt behandelt â das wird der RealitĂ€t nicht gerecht."
In Sachsen wurden 2025 ĂŒber 13.000 FahrraddiebstĂ€hle angezeigt, allein in Dresden 3.608, bei einer AufklĂ€rungsquote von rund 12 Prozent und einem Schaden von mehr als 20 Millionen Euro.
Der Schadendurchschnitt ist so hoch wie nie
Hier dreht sich die Richtung um.
Die deutschen Versicherer zahlten 2025 rund 150 Millionen Euro fĂŒr gestohlene FahrrĂ€der, bei einem Schadendurchschnitt von 1.270 Euro. Der GDV bezeichnet das als neuen Höchststand. Die Zahl der versicherten DiebstĂ€hle sank gleichzeitig auf 115.000, etwa 15.000 weniger als im Vorjahr.
Weniger FÀlle, gleich viel Geld, weil die RÀder teurer geworden sind. Die polizeilich erfasste Schadenshöhe zeigt dasselbe: durchschnittlich 1.454 Euro je Fall im Jahr 2025 nach 1.373 Euro im Jahr davor.
Der Trend, gezielt hochwertige RÀder zu stehlen, hat sich laut GDV auch 2025 ungebrochen fortgesetzt. Betroffen sind vor allem RennrÀder, E-Bikes und Mountainbikes, also genau die Kategorien, die sich gebraucht gut verkaufen lassen. Warum E-Bikes dabei besonders im Fokus stehen, steht in warum E-Bikes hÀufiger gestohlen werden.
Neun von zehn RĂ€dern kommen nicht zurĂŒck
Die AufklÀrungsquote ist der Teil der Statistik, der sich nicht verbessert hat. 2025 lag sie bei 9,8 Prozent, nach 9,7 Prozent im Jahr davor. In mehr als neun von zehn angezeigten FÀllen wird kein TatverdÀchtiger ermittelt.
Dieser Wert ist europaweit erstaunlich stabil. Ăsterreich klĂ€rte 2025 9,3 Prozent der FĂ€lle auf. Das italienische Statistikamt Istat stellte fest, dass weniger als ein gestohlenes Rad von zehn je wieder auftaucht, nĂ€mlich 9,5 Prozent, gegenĂŒber 61 Prozent bei Autos.
Der Unterschied zum Auto liegt nicht daran, dass RĂ€der den Menschen weniger wert wĂ€ren. Er liegt am Register. Ein Auto hat ein Kennzeichen, das einem Halter zugeordnet ist, deshalb ist die Anzeige sowohl nötig als auch nĂŒtzlich. Ein nicht registriertes Fahrrad, das irgendwo sichergestellt wird, lĂ€sst sich praktisch niemandem zuordnen.
Die begutachtete Studie Patterns in Bike Theft and Recovery wertete 1.823 DiebstĂ€hle aus: Registrierte Besitzer bekamen ihr Rad in 38 Prozent der FĂ€lle ĂŒber die Polizei zurĂŒck, bei nicht registrierten RĂ€dern waren es 32 Prozent, wĂ€hrend nicht registrierte Besitzer stĂ€rker auf Online-KanĂ€le angewiesen waren (24 gegenĂŒber 16 Prozent). Eine Registrierung zaubert kein Rad herbei. Sie gibt der Polizei etwas, womit sie abgleichen kann.
Organisierte Banden arbeiten an der Rahmennummer
Dass die Rahmennummer der entscheidende Punkt ist, zeigt sich am deutlichsten daran, wie viel MĂŒhe professionelle TĂ€ter darauf verwenden, sie loszuwerden.
Im MĂ€rz 2026 durchsuchten Ermittler der Staatsanwaltschaft OsnabrĂŒck und der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim mehrere Objekte in Nordrhein-Westfalen. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, seit August 2025 mehr als 75 Pedelecs im Wert von ĂŒber 300.000 Euro gestohlen zu haben. Einer von ihnen soll eine Werkstatt betrieben haben, in der Rahmennummern und Kaufbelege gefĂ€lscht wurden.
Auch die Politik hat aus den Zahlen Konsequenzen gezogen. Im November 2025 haben die Benelux-Union und Nordrhein-Westfalen eine gemeinsame Strategie gegen grenzĂŒberschreitenden Fahrraddiebstahl vorgestellt. Eine der drei SĂ€ulen ist die VerknĂŒpfung nationaler Fahrradregister miteinander.
Der eigentliche Schaden steht in keiner Schadensstatistik
Die 150 Millionen Euro der Versicherer sind nur der Teil des Schadens, der sich abrechnen lĂ€sst. Der gröĂere Teil ist, dass Menschen nach einem Diebstahl aufhören zu fahren.
Der europÀische Radfahrerverband ECF hat diesen Effekt ausgewertet: 11 Prozent der Betroffenen hören ganz mit dem Radfahren auf, 23 Prozent fahren seltener. 39 Prozent kaufen gar kein neues Rad mehr, und von denen, die eines kaufen, greift etwa ein Drittel zu einem billigeren Modell. Hochgerechnet auf Europa geht es um rund eine Million Menschen, die nach einem Diebstahl das Radfahren aufgeben.
Das ist der Grund, warum Fahrraddiebstahl verkehrspolitisch etwas anderes ist als ein Eigentumsdelikt mittlerer Höhe. Jedes gestohlene Rad kostet nicht nur seinen Wiederbeschaffungswert, sondern mit einiger Wahrscheinlichkeit auch einen Teil der Radnutzung, die danach nicht mehr stattfindet.
Was die Zahlen fĂŒr dein Rad bedeuten
Notiere die Rahmennummer, bevor du sie brauchst. In der KFV-Befragung hatten nur 37 Prozent der E-Bike-Besitzer ihre Rahmennummer notiert und 23 Prozent das Rad registriert. Wo sie steht, zeigt Rahmennummer finden.
Zeig den Diebstahl an, auch ohne Hoffnung. Nicht angezeigte Taten sind der Grund, warum Fahrraddiebstahl in den Tabellen klein aussieht, nach denen Ermittlungsressourcen verteilt werden.
PrĂŒf die EntschĂ€digungsgrenze deiner Versicherung. Bei einem Schadendurchschnitt von 1.270 Euro deckt eine vor Jahren abgeschlossene Hausratversicherung den Ersatz oft nicht mehr.
WĂ€hl das Schloss nach dem Wiederverkaufswert. TĂ€ter entscheiden nach Preis, deshalb ist ein teures Rad an einem billigen Schloss genau die Kombination, die diese Statistik bestraft.