Um dein Fahrrad für den Winter einzulagern, wäschst du den Straßendreck ab, trocknest das Rad, ölst die Kette, pumpst die Reifen auf, nimmst den E-Bike-Akku heraus und lagerst ihn halb geladen an einem kühlen, trockenen Ort mit Rauchmelder. Dann schließt du das Rad an etwas Festem an. Und dann nimmst du dir noch zehn Minuten, um aufzuschreiben, was für ein Rad das eigentlich ist. Diesen letzten Schritt lassen die meisten aus, und genau den wirst du im April brauchen, falls der Keller in der Zwischenzeit leergeräumt wurde.
Eine Werkstatt brauchst du für nichts davon. Ein Eimer, ein Lappen und ein freier Abend reichen.
Putzen, trocknen, ölen, bevor es steht
Im Herbst sammelt sich am Rad eine Paste aus Sand, nassem Laub und, wo die Stadt Streusalz einsetzt, Salz. Bleibt sie fünf Monate drauf, hält sie Feuchtigkeit an Kette, Kassette und jedem Schraubenkopf fest. Rost, für den es sonst eine ganze Saison Fahren bräuchte, hat dann den Winter über ungestört Zeit.
Die Routine ist kurz:
mit Wasser und einem milden Fahrradreiniger oder etwas Spülmittel. Den Hochdruckreiniger hältst du von Naben, Steuersatz und Tretlager fern, denn dort drückt er Wasser an den Dichtungen vorbei.
Waschen
Gründlich trocknen, die Kette eingeschlossen. Dreh die Kurbel rückwärts durch einen Lappen und lass das Rad danach eine Stunde an einem warmen Ort stehen.
Kette ölen, sobald sie trocken ist. Lass das Öl ein paar Minuten einziehen und wisch den Überschuss ab. Eine trockene Kette rostet, eine triefende sammelt Staub.
Einmal durchschauen, solange das Rad sauber ist. Abgefahrene Bremsbeläge, ein ausgefranster Zug oder ein rissiger Reifen fallen an einem sauberen Rad eher auf, und in der Fahrradwerkstatt ist im November deutlich weniger los als im April.
Wenn du mehr tun willst: Ein dünner Film aus Öl oder Wachs auf blanken Stahlteilen, etwa Schraubenköpfen und den Kettenstreben nahe der Kette, hilft einem Rad, das den Winter in einem feuchten Keller verbringt.
Reifen und wie das Rad steht
Schläuche verlieren langsam Luft, egal was du tust. Steht ein Rad monatelang auf platten Reifen, drückt sein Gewicht auf eine kleine Stelle jedes Reifens, und dort kann die Karkasse eine Schwachstelle bekommen.
Dagegen gibt es zwei Wege. Entweder pumpst du die Reifen bis zum oberen Ende des Drucks auf, der auf der Reifenflanke steht, und kontrollierst sie ein- oder zweimal im Winter. Oder du nimmst das Gewicht ganz von den Reifen, indem du das Rad an einen Wandhaken hängst oder in einen Ständer stellst. Aufgehängt steht es außerdem nicht auf dem kalten Betonboden, der bei Wetterumschwung feucht wird.
Schalte hinten auf das kleinste Ritzel, dann stehen Schaltwerksfeder und Zug unter der geringsten Spannung. Nimm danach alles ab, was von allein Beine bekommen kann: Lampen, den Fahrradcomputer, die Satteltasche und, falls er einen Schnellspanner hat, den Sattel.
Der E-Bike-Akku braucht einen Plan
Einem Lithium-Ionen-Akku ist wichtiger als jedem anderen Teil am Rad, wo und wie er den Winter verbringt. Bosch eBike Systems nennt dafür konkrete Werte.
„Idealerweise lagerst du deinen Akku mit einem Ladestand von 30 % bis 60 % und bei Temperaturen zwischen 0 °C und 20 °C bei trockener Umgebung oder zwischen 10 °C und 20 °C in feuchter Umgebung mit Taubildung."
Dr. Vikram Godbole, Senior Product Manager für Akkus und Ladegeräte bei Bosch eBike Systems, in 12 Fragen rund um den eBike-Akku
Auf derselben Seite empfiehlt Bosch, den Akku vom Rad zu nehmen, wenn es länger nicht genutzt wird. Am besten eignet sich laut Bosch ein gut belüfteter Raum mit Rauchmelder, weg von Wärmequellen und brennbarem Material. Weder ein voller noch ein leerer Akku tut der Lebensdauer gut. Andere Hersteller veröffentlichen eigene Werte, schau also ins Handbuch, wenn in deinem Rad kein Bosch-Motor steckt.
Die Brandgefahr solltest du ernst nehmen. In London, wo die Feuerwehr die Zahlen nach Fahrzeugart aufschlüsselt, rückte die London Fire Brigade 2025 zu 206 Bränden von E-Bikes und E-Scootern aus, nach 171 im Jahr davor. Der stellvertretende Feuerwehrchef Spencer Sutcliff fasste das so zusammen: „im Schnitt jeden zweiten Tag ein Brand eines E-Bikes oder E-Scooters" (aus dem Englischen übersetzt).
Die meisten Brände entstehen laut R+V durch defekte oder ungeeignete Ladegeräte. Nimm das unbeschädigte Originalladegerät.
Ein komplett entleerter Akku kann beim Wiederaufladen eine erhöhte Brandgefahr darstellen. Ein weiterer Grund, ihn nicht leer einzulagern.
Lade nicht unbeaufsichtigt über Nacht, sondern auf einer feuerfesten Unterlage, weg von Brennbarem, in einem Raum mit Rauchmelder.
Im Gemeinschaftskeller oder in der Tiefgarage darfst du nur mit Zustimmung von Vermieter oder Hausverwaltung laden. Aus Brandschutzgründen kann es dort sogar untersagt sein.
Zusammengefasst: Lade den Akku auf etwa die Hälfte, notier dir das Datum und lagere ihn trocken und belüftet, mit Rauchmelder und ohne Kram drumherum. Ist der Ladestand bis Mitte Winter stark gesunken, lädst du kurz nach. Ein aufgeblähter oder verbeulter Akku wird nicht mehr benutzt. Und im Flur, durch den du im Ernstfall nach draußen musst, hat er nichts verloren.
Wo das Rad überwintert und woran es hängt
Ein abgeschlossener Keller fühlt sich nach der sicheren Wahl an. Die Zahlen sagen: nur zum Teil. In unserer Auswertung der offenen Falldaten der Polizei Berlin für 2025 gehen die Fahrraddiebstähle vom Sommer zum Winter insgesamt um 38 Prozent zurück, die Diebstähle aus Kellern und Dachböden aber nur um 27 Prozent. Ihr Anteil an allen Fahrraddiebstählen steigt von 4,57 Prozent im Mai auf 7,24 Prozent im Dezember. Das Risiko zieht genau dorthin, wo die Räder für den Winter hingebracht werden. Die ganze Auswertung steht in unserem Beitrag über Winterradfahren in Oulu.
Die Kellertür ist also die erste Hürde, nicht die einzige. Schließ den Rahmen mit einem ordentlichen Bügel- oder Kettenschloss an einen festen Ständer oder Wandanker an, nicht mit einem Kabelschloss. Gibt es im Haus nichts Festes, frag die Hausverwaltung, ob ein Wand- oder Bodenanker montiert werden kann. Die Schlossseite behandeln wir ausführlich in Fahrrad in der Wohnung aufbewahren.
Wirf bei der Gelegenheit einen Blick in deine Hausratversicherung. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft weist darauf hin, dass die Musterbedingungen für gemeinschaftlich genutzte Fahrradräume verlangen, das Rad dort mit einem verkehrsüblichen Schloss zu sichern, so der GDV auf Die Versicherer. Für den eigenen abschließbaren Kellerverschlag können Versicherer das vertraglich regeln, lies also den Abschnitt zum Diebstahl, statt dich auf ein Gefühl zu verlassen. Und noch ein Punkt aus demselben Text: Fehlen sichtbare Einbruchspuren, liegt die Beweislast bei dir. Am besten ist es ohnehin, das Rad selbst zurückzubekommen.
Zehn Minuten Papierkram, bevor die Tür zugeht
Ein eingelagertes Rad ist monatelang aus dem Blick. Räumt jemand im Januar den Keller aus, merkst du das vielleicht erst am ersten warmen Wochenende, und dann versuchst du, der Polizei und der Versicherung ein Rad aus dem Gedächtnis zu beschreiben.
Solange das Rad sauber vor dir steht, erledigst du Folgendes:
Rahmennummer suchen, meist unter dem Tretlager eingeschlagen, und aufschreiben. Wenn du nicht sicher bist, wo du suchen sollst, hilft Rahmennummer finden.
Fotos machen: beide Seiten, die Rahmennummer und alles, was dein Rad unverwechselbar macht, etwa ein Kratzer, ein Aufkleber oder ein besonderer Sattel. Gute Fotos für die Registrierung dauern ein paar Minuten.
Kaufbeleg aufheben, zusammen mit den Fotos, und die Seriennummer des Akkus notieren, falls er eine hat.
Rad registrieren oder den Eintrag aktualisieren, falls du im Sommer Teile getauscht hast. Über eine registrierte Rahmennummer kann die Polizei ein sichergestelltes Rad seinem Eigentümer zuordnen, und genau diesen Nachweis will auch deine Versicherung sehen.
Im Frühling läuft alles in umgekehrter Reihenfolge. Schau nach, ob Rad und Akku noch da sind, wo du sie gelassen hast, pump die Reifen auf, teste die Bremsen und lade den Akku vor der ersten Fahrt voll.
Fünf Minuten, kostenlos: registriere dein Rad, bevor es in den Keller geht, oder lade die App für iOS oder Android. Du fährst lieber den Winter durch? Wie die Welthauptstadt des Winterradfahrens das macht, steht in Winterradfahren in Oulu.