Es ist 6:45 Uhr an einem Dienstag Mitte September. Du schiebst dein Rad aus dem Flur, klickst die Tasche an den Gepäckträger und rollst auf die Straße. Die Luft ist kühl, der Asphalt feucht, und dann fällt es dir auf: Es ist dunkel. Nicht dämmrig, nicht fast dunkel, sondern richtig dunkel. So dunkel, dass ein Auto, das aus einer Seitenstraße abbiegt, dich vielleicht gar nicht sieht. Vor zwei Wochen fand genau dieselbe Fahrt noch bei vollem Tageslicht statt. Jetzt ist der Herbst da, und die Regeln fürs Pendeln mit dem Rad haben sich über Nacht geändert.
Dieser Wechsel erwischt jedes Jahr viele Radfahrende unvorbereitet. Der Übergang von langen Sommerabenden zur September-Dunkelheit geht schnell, und die Lücke zwischen "ich sollte mir mal Licht besorgen" und "ich hätte letzte Woche schon Licht gebraucht" lässt sich in knappen Situationen messen. Hier steht eine praktische Checkliste, die dich sichtbar, regelkonform und sicher durch den Herbst und in den Winter bringt.
Vorder- und Rücklicht: was das Gesetz verlangt
In Deutschland ist Fahrradbeleuchtung nach Einbruch der Dunkelheit keine Kür, sondern Pflicht. Nach § 67 der muss jedes Fahrrad einen Scheinwerfer mit weißem Licht nach vorn und eine rote Schlussleuchte nach hinten haben. Dazu kommen ein weißer Rückstrahler vorn, ein roter Rückstrahler hinten, gelbe Pedalrückstrahler und Rückstrahler in den Speichen oder ein umlaufender reflektierender Ring an den Reifen.
Wichtig für den Alltag: Seit der Reform von 2013 sind Akku- und Batterieleuchten ausdrücklich erlaubt, sie müssen nicht mehr fest am Rad verbaut oder mit einem Dynamo betrieben sein. Der ADFC fasst zusammen, welche Beleuchtung zulässig ist und worauf du beim Kauf achten solltest. Fährst du ohne funktionierendes Licht durch die Dunkelheit, droht ein Verwarnungsgeld, ärgerlicher ist aber, dass dich im Zweifel niemand sieht.
Die praktische Konsequenz: Kauf die Beleuchtung jetzt, bevor dich die erste dunkle Fahrt unvorbereitet trifft. USB-Akkuleuchten sind günstig, hell und lassen sich tagsüber am Schreibtisch nachladen. Leg dir ein Ersatzset in die Tasche, denn Akkus geben im schlechtesten Moment auf. Wenn du unsicher bist, was in Deutschland sonst noch vorgeschrieben ist, hilft unser Überblick zum Fahrradrecht in Deutschland weiter.
Reflektoren und auffällige Kleidung
Licht macht dich von vorn und hinten sichtbar. Reflektoren und Kleidung schließen die Lücken zur Seite und in den Winkeln, die dein Licht nicht erreicht. Die in § 67 StVZO geforderten Rückstrahler sind Pflicht, aber sie nutzen sich mit der Zeit ab. Prüf zum Herbstbeginn, ob die reflektierende Fläche noch klar ist und nicht blind oder verkratzt, denn ein stumpfer Reflektor wirft kaum noch Licht zurück. Pedalrückstrahler sind besonders wirksam, weil ihre Bewegung den Blick der Autofahrenden fängt.
Über das gesetzlich Geforderte hinaus ist eine reflektierende Weste oder eine Jacke mit Reflexstreifen eine der einfachsten Arten, im Herbst gesehen zu werden. Leuchtfarben wie Gelb oder Orange wirken im Zwielicht, reflektierende Bänder und Streifen wirken, sobald Scheinwerfer sie treffen. Der ADFC empfiehlt bewegliche Reflexelemente an Knöcheln oder Handgelenken, weil die Bewegung beim Treten die Aufmerksamkeit besonders auf sich zieht. Dunkle Kleidung dagegen macht Radfahrende bei Nacht für Autofahrende fast unsichtbar. Die Kombination aus festem Licht, sauberen Reflektoren und mindestens einem reflektierenden Kleidungsstück deckt jeden Winkel ab.
Reifen und Grip: nasses Laub und Regen
Der Herbst bringt zwei Gefahren, an die Sommerradelnde selten denken: nasses Laub und Dauerregen. Eine Schicht feuchtes Laub auf dem Radweg ist unter Umständen so rutschig wie Eis, und auf nassem Asphalt werden die Bremswege länger.
Fang bei den Reifen an. Prüf die Profiltiefe. Ist das Muster glatt gefahren, hast du weniger Grip, als du auf nasser Straße brauchst. Achte auf Risse in der Flanke, die über einen Sommer mit UV-Strahlung und Hitze entstehen können. Bist du für die Sommergeschwindigkeit schmale Slicks gefahren, lohnt sich für Herbst und Winter der Wechsel zu Reifen mit mehr Profil.
Auch der Luftdruck zählt. Ein etwas niedrigerer Druck als im Sommer vergrößert die Aufstandsfläche und verbessert den Grip auf nassem Untergrund. Achte dabei auf den Mindestdruck, der auf der Reifenflanke aufgedruckt ist, und geh nicht darunter. Fährst du durch Laub, halte die Geschwindigkeit gleichmäßig und vermeide plötzliches Bremsen oder enge Kurven. Laub verdeckt Schlaglöcher, Scherben und unebene Stellen, behandle jeden laubbedeckten Abschnitt also wie unberechenbares Gelände.
Schutzbleche: das unterschätzte Herbst-Upgrade
Wenn du mit dem Rad pendelst und dein Rad keine Schutzbleche hat, ist der September der richtige Monat, das zu ändern. Ohne Schutzbleche schickt dir jede Pfütze und jede nasse Stelle einen Streifen Schmutzwasser den Rücken hoch, an die Beine und in den Antrieb.
Vollflächige Schutzbleche, die einen großen Teil des Rades umschließen, halten dich deutlich trockener als kleine Steckvarianten. Sie schützen außerdem Kette, Bremsen und Tretlager vor dem körnigen Straßenspritzwasser, das in den nassen Monaten den Verschleiß beschleunigt. Für Pendelnde geht es dabei weniger um Komfort als darum, Wartung zu sparen und das Rad die Saison über zuverlässig zu halten. Hast du wenig Platz zwischen Reifen und Rahmen, wie bei vielen Rennrädern, sind Steckschutzbleche besser als nichts. An City- und Trekkingrädern sind fest verschraubte Schutzbleche günstig und leicht zu montieren.
Den Arbeitsweg an kürzere Tage anpassen
In Berlin schrumpft der Tag von rund 16 Stunden Hochsommer-Licht auf unter 12 Stunden Mitte September, und es geht schnell weiter: Bis Ende Oktober bist du bei etwa 9 Stunden. Für Morgenpendelnde heißt das, dass die Fahrt zur Arbeit innerhalb weniger Wochen komplett in die Dunkelheit rutscht. Ein paar Anpassungen helfen:
Plane die Route über beleuchtete Wege. Eine etwas längere Strecke entlang gut beleuchteter Straßen oder gepflegter Radwege ist sicherer als eine kürzere durch unbeleuchtete Parks oder Gewerbegebiete.
Passe deine Abfahrtszeit an. Schon 10 Minuten können in den Übergangswochen im September und Oktober einen Unterschied bei der Sichtbarkeit machen.
Reinige Licht und Reflektoren wöchentlich. Straßenspritzwasser und Morgentau legen sich im Herbst schnell auf die Flächen. Verschmutztes Licht verliert an Helligkeit, verschmutzte Reflektoren reflektieren nicht mehr.
Sag jemandem deine Route. Fährst du im Dunkeln auf ruhigeren Wegen, lass Familie oder Kolleginnen deinen üblichen Weg und die erwartete Ankunftszeit wissen.
Auch die innere Haltung ändert sich. Sommerradeln fühlt sich unbeschwert an, Herbstradeln verlangt Aufmerksamkeit. Du teilst dir die Straße mit Autofahrenden, die sich ebenfalls noch nicht an die dunkleren Bedingungen gewöhnt haben, und die ersten Wochen nach der Zeitumstellung sind erfahrungsgemäß die, in denen sich alle erst wieder auf die schlechtere Sicht einstellen.
Nach dem Sommer die Registrierung aktualisieren
Im Sommer verändern sich Räder. Vielleicht hast du Reifen gewechselt, Zubehör montiert, den Sattel getauscht oder sogar ein neues Rad gekauft. Hat sich das Aussehen oder die Ausstattung seit deiner letzten Registrierung im Fahrradregister geändert, ist jetzt der richtige Moment, dein Profil auf den neuesten Stand zu bringen.
Aktuelle Angaben, also frische Fotos, Beschreibungen der Komponenten und die korrekte Rahmennummer, machen ein gestohlenes Rad überhaupt erst wiederauffindbar. Ein registriertes Rad hat deutlich bessere Chancen, zu seinen Besitzenden zurückzufinden, weil sich das Eigentum eindeutig nachweisen lässt, und das hängt daran, dass die hinterlegten Informationen stimmen und aktuell sind.
Fahrraddiebstahl ist in Deutschland kein Randthema: Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnet rund 245.000 angezeigte Fahrraddiebstähle pro Jahr, und die Aufklärungsquote liegt unter 10 %. Der Herbst bringt zudem eine saisonale Häufung, wenn Gelegenheitsdiebe Räder ins Visier nehmen, die beim Übergang vom Sommerbetrieb zur Einlagerung noch draußen stehen. Wann und wo besonders viel gestohlen wird, haben wir unter wo und wann Fahrräder gestohlen werden genauer aufgeschlüsselt.
Nimm dir diese Woche fünf Minuten: Öffne die Fahrradregister-App, prüf, ob Rahmennummer und Fotos aktuell sind, und stell sicher, dass deine Kontaktdaten stimmen. Falls du noch nicht registriert hast, es ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten. Ein registriertes Rad ist ein geschütztes Rad, und der Herbst ist genau die Zeit, in der dieser Schutz zählt.
Willst du dein Rad für die dunkle Jahreszeit absichern? Lade das Fahrradregister herunter, registriere dein Rad kostenlos und schütze es diesen Herbst.